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Sporthypnose – wenn das Unterbewusstsein über Leistung entscheidet

Was passiert, wenn Training, Talent und körperliche und mentale Fitness vorhanden sind – die Leistung im entscheidenden Moment aber trotzdem nicht abgerufen werden kann? Genau hier kommt die Sporthypnose zum Zug.

Was ist Sporthypnose?

Hypnose ist ein veränderter Bewusstseinszustand mit fokussierter Aufmerksamkeit, tiefer Entspannung und einer erhöhten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Die Hypnose umgeht den kritischen Faktor des Bewusstseins. Was das bedeutet, wird im Folgenden nun genauer ausgeführt.

Hypnotische Zustände werden von der modernen Forschung untersucht. Eine an der Universität Zürich durchgeführte und 2023 in Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte Studie zeigte Veränderungen der funktionellen Vernetzung im Gehirn während Hypnose.

Bewusstsein und Unterbewusstsein

Unser bewusster Verstand analysiert, bewertet und kontrolliert. Gleichzeitig laufen viele Prozesse automatisch also unterbewusst ab – beispielsweise Gewohnheiten, Emotionen und erlernte Verhaltensmuster. Einige Studien und Theorien legen nahe, dass bis zu 95% unserer mentalen Prozesse im Unterbewusstsein stattfinden.

Gerade im Sport ist das Zusammenspiel von Bewusstsein und Unterbewusstsein entscheidend.

Denn was passiert, wenn ein Sportler im Wettkampf plötzlich denkt: «Immer wenn es darauf ankommt, versage ich.» Solche Gedanken können sich über längere Zeit verfestigen und zu hartnäckigen Glaubenssätzen werden. Neue Informationen werden mit bereits vorhandenen Mustern abgeglichen, dadurch können Veränderungen erschwert werden. Der Gedanke: «Ich bin ein Wettkampftyp» kann nun schwierig abgespeichert werden, weil der kritische Faktor des Bewusstseins ihn zurückweisen wird.

Sporthypnose setzt genau an diesem Punkt an: Sie soll helfen, bewusstes und unbewusstes Denken besser miteinander zu verbinden und vorhandene Ressourcen gezielt zu nutzen. Somit können auch neue Glaubenssätze nachhaltig abgespeichert und alte Muster erfolgreich umprogrammiert werden.

Wofür kann Sporthypnose eingesetzt werden?

Weil Sporthypnose also zur Neuprogrammierung eingesetzt werden kann, sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. Dazu gehören unter anderem:

  • Umgang mit Ängsten
  • Stärkung des Selbstvertrauens
  • Konzentration und Fokus
  • Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Automatisierung von Bewegungsabläufen
  • Umgang mit Stress
  • Entspannung und Regeneration
  • Entwicklung einer Siegermentalität
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Unterstützung beim Comeback
  • Bearbeitung von Glaubenssätzen

Konkrete Anwendungsbeispiele

1Ängste verstehen und verändern

Gerade im Umgang mit Ängsten, wie sie nach Stürzen oder bei Gruppenthemen im Sport oftmals vorhanden sind, ist die Hypnose ein äusserst wirksames Tool.

Ängste entstehen häufig nicht plötzlich. Wenn wir es bildlich beschreiben: Ein Brunnen füllt sich nach und nach – bis er irgendwann überläuft. Deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur die aktuelle Angst zu betrachten, sondern auch nach ihrem Ursprung zu fragen. Der Ansatz «Regress to Cause» versucht, den Moment zu identifizieren, in dem die Angst erstmals erlebt wurde. Dabei können die Ursachen auch ausserhalb des Sports liegen. So führte mich etwa in einer Hypnosesitzung ein Sturz vom Reck zurück in die Kindheit zu einem Sturz von der Schaukel, welche aber der Turnerin gar nicht mehr bewusst war.

Ziel ist es, belastende Emotionen zu bearbeiten und neue emotionale Verknüpfungen zu schaffen.

2Siegermentalität programmieren

Ein weiterer Anwendungsbereich ist die mentale Vorbereitung auf einen Wettkampf.

Dabei geht es beispielsweise um Fragen wie:

  • Wie möchte ich mich fühlen?
  • Wie möchte ich auftreten?
  • Wie möchte ich mich in meinem entscheidenden Moment erleben?

Diese Situation kann mental vorweggenommen und mit entsprechenden Suggestionen bearbeitet werden. Ergänzend kann eine personalisierte Audioaufnahme für die Selbsthypnose eingesetzt werden.

Gerade für Sportlerinnen und Sportler, die technisch und körperlich bereits sehr gut vorbereitet sind, kann dieser mentale Zugang eine interessante Ergänzung darstellen.

3Regeneration und Return to Sports

Auch im Bereich der Regeneration kann Hypnose eingesetzt werden. Besonders interessant ist die Sporthypnose beim Return to Sports nach einer Verletzung.

Nach einem körperlichen Trauma bleibt manchmal nicht nur eine körperliche Einschränkung zurück. Auch der Schock oder die Angst können sich im Körper und in den unbewussten Reaktionsmustern festsetzen. Sporthypnose kann hier begleitend eingesetzt werden, um die Verarbeitung des Erlebten zu unterstützen, die körperliche Erholung zu begleiten und wieder Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit aufzubauen.

Sporthypnose als Ergänzung

Sporthypnose ersetzt weder Training noch Technik oder Taktik, aber sie kann als wirkungsvoller zusätzlicher Baustein des mentalen Trainings verstanden werden. Gerade dann, wenn sich trotz intensivem Training immer wieder dieselben mentalen Blockaden zeigen, kann es interessant sein, auch die unbewussten Prozesse näher zu betrachten.

Denn manchmal weiss der Kopf ganz genau, was zu tun wäre – und trotzdem gelingt es im entscheidenden Moment nicht.

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